Beschreibung: Eigentlich war klar, dass "Neger, Neger, Schornsteinfeger" ein Straßenfeger werden würde. Die Verfilmung der Autobiografie von Hans-Jürgen Massaquoi ist ein hochglänzendes TV-Event, das sich mit einem aktuell gern diskutierten Thema (Vergangenheitsbewältigung) beschäftigt, clevererweise kurz vor dem Tag der Deutschen Einheit ausgestrahlt wurde und mit Veronica Ferres die deutsche Quotenkönigin in der Hauptrolle zeigt. 8,56 Millionen Zuschauer (Marktanteil: 24,8 Prozent) sahen dann auch den ersten Teil am Sonntag, 1.Oktober, und 8,21 Millionen (MA: 26,1 Prozent) den zweiten am Montag, 2. Oktober. "Tatort"-Kommissar Bienzle und Millionärs-Macher Jauch konnten da nur in die Röhre sehen. Für alle, die den Film verpasst haben, oder ihn noch einmal sehen möchten, gibt es gleich nach der Ausstrahlung die Doppel-DVD mit den beiden 90-Minütern.
Die Geschichte des schwarzen Jungen, der in den Dreißigern und Vierzigern das Nazi-Regime im Hamburger Arbeiterbezirk Barmbek überlebt, ist groß, faszinierend und unfassbar. "Der Führer hat noch nicht entschieden, was mit den Negern passieren soll", sagt Blockwart Mahnke (Jürgen Tarrach) zum kleinen Hans-Jürgen, dem Freund und Spielkameraden seines Sohnes. In der Naivität dieser hilflos nett gemeinten Aussage liegt der ganze Schrecken des Nazi-Alltags. Der offensichtliche "Nichtarier" Hans-Jürgen Massaquoi überlebte seine Kindheit nur deshalb, weil Deutschland zu viel mit Krieg und Judenmord zu tun hatte. Seine Lebensgeschichte wurde ebenso einfühlsam wie publikumswirksam ins Bild gesetzt.
Seinen Vater hat der kleine Hans-Jürgen - großartig verkörpert von den drei jungen Schauspielern Thando Walbaum (14-19 Jahre), Steve-Martin Dwumah (9-10), Luka Kumi (5-6) - niemals kennen gelernt. Seine frühe Kindheit verbringt er mit Mutter Bertha (Veronica Ferres) in der Villa seines schwarzen Großvaters, des liberianischen Konsuls in Hamburg. Als der in sein Heimatland zurückkehrt, möchte Mutter Bertha in Hamburg bleiben. In Barmbek wird Hans-Jürgen Anfang der 30er-Jahre als einziges schwarzes Kind eingeschult. Auf der Straße begegnet man dem Exoten mit einer Mischung aus Neugier, Sympathie und Diskriminierung.
Hans-Jürgen Massaquoi, der nach dem Krieg in die USA auswanderte und dort zu einem bekannten Journalisten wurde, besuchte sogar die Dreharbeiten des Zweiteilers bei Berlin und begegnete bewegt seiner "Mutter" Veronica Ferres. Mit Film und Darstellerin soll er übrigens sehr zufrieden gewesen sein. "Neger, Neger, Schornsteinfeger" ist auch deshalb ein großer TV-Film, weil er viele Formen des Rassismus, versteckte und offene, für den Zuschauer deutlich erfahrbar macht.
Die Doppel-DVD des TV-Events enthält den Zweiteiler in voller Länge, aber ohne Zusatzmaterial und technisch bestenfalls ordentlich. Die Bilder erfüllen normalen TV-Standard, gehen aber nicht darüber hinaus. Der 2.0-Sound ist stellenweise etwas zu schwachbrüstig geraten. (teleschau - der mediendienst)